Epiphanias: Reinigung, Wiedergeburt und Erinnerung an Jahrhunderte

Am 6. Januar rücken die Taufe Christi und die Segnung des Wassers ein uraltes Symbol für Leben und Reinigung in den Vordergrund. Die zentrale Rolle des Wassers bei diesem Fest ist kein Zufall oder ausschließlich religiös, da die Beziehung der griechischen Welt zum Wasser Jahrtausende zurückreicht.
Von minoischen Kreta zeugen speziell gestaltete unterirdische Räume, die sogenannten 'Reinigungstanks', von der frühen Verbindung von Wasser mit symbolischer Reinigung. Im archaischen und klassischen Griechenland erlangt Wasser philosophische und poetische Dichte, wobei Pindar ihm 'ἄριστον μὲν ὕδωρ' zuschreibt.
Die kirchliche Tradition nimmt diese semantische Aufladung auf und wandelt sie theologisch um, indem sie Wasser mit der Gabe des Heiligen Geistes und der Erneuerung der Schöpfung identifiziert. Das Gebet des Großen Segens fasst diese Kontinuität der Jahrhunderte zusammen und macht Wasser zu einem gemeinsamen Ort antiker ritueller Tradition und christlichen Glaubens.
An Epiphanias spricht Wasser weiterhin von Reinigung, Leben und Licht mit Worten, die Griechen seit Jahrtausenden erkennen.