Liebe und Haar: Werbung im Irland des 18.-19. Jahrhunderts

Liebe und Werbung im Irland des 18. und 19. Jahrhunderts hatten einen unerwarteten Ausdruck: Haarsträhnen. In einer Gesellschaft, in der Flirten ein sozialer Prozess mit Regeln und Symbolen war, nahm das Haar einen besonderen Platz ein.
Im presbyterianischen Ulster war Werbung keine Privatsache, sondern ein Weg zur Verpflichtung, der von Familien und Gemeinschaften überwacht wurde. Geschenke dienten als Kommunikationsmittel, und eine Haarsträhne war das aufgeladenste Geschenk. Es war nicht nur ein Andenken, sondern erklärte eine dauerhafte Präsenz.
Eine Haarsträhne wurde normalerweise von Frauen an Männer angeboten, geflochten, gebunden und als Zeichen der Intimität ohne körperlichen Kontakt aufbewahrt. Ein Mann im Belfast des 19. Jahrhunderts sammelte sogar eine Sammlung von Haarsträhnen von Frauen, mit denen er Beziehungen hatte, und schuf so ein persönliches Archiv der Wünsche.
Heute mag diese Idee Verlegenheit auslösen, da sich unsere Beziehung zu Körper und Privatsphäre verändert hat. Das Bedürfnis, etwas vom anderen Menschen zu behalten und der Erinnerung Gestalt zu verleihen, bleibt jedoch zeitlos.
Quelle: The Conversation